auszeichnung 2009

vier stadtvillen in exponierter aussichtslage

an der unteren waldburg in böblingen

ausgezeichnet als "beispielhaftes bauen"
durch die architektenkammer

begründung der jury

 

begründung der jury
das haus passt sich dem gelände sehr gut an, spielt mit dem höhenversatz bis hinein in die spannungsreiche absenkung des wohnbereichs. seine klare, an das bauhaus erinnernde formensprache ist konsequent durchgehalten und verbindet gekonnt innen mit außen. als eines von vier häusern auf einem ehedem riesigen grundstück in einem gewachsenen wohngebiet ist es teil eines sehr einheitlichen, dennoch individuell gestalteten ensembles. dieses ist eine äußerst gelungene und hochwertige form der nachverdichtung, die ebenso beispielhaft ist wie das haus als eigenständiges gebäude.

objektbeschreibung

vier stadtvillen in exponierter aussichtslage zeigen eine handschrift und doch gleicht keine den anderen. beim diesem einen haus könnte die leitidee lauten: "kubischer grundkörper mit leichten verschiebungen".

das haus steht am ende des dort leicht abschüssigen privatwegs. auf die südneigung des geländes wurde im inneren mit abgestuften wohnebenen auf erdgeschossniveau reagiert. die südterrasse ist mit einem schräg eingestellten betonrahmen in der fassade dynamisiert. im obergeschoss konnte mit der eingefassten dachloggia die stringenz der maßgebenden kubatur erhalten werden; obwohl das baurecht hier eine terrassierte staffelung und "nachempfindung" der geländemodellierung vorsah. der erdgeschossgrundriss erfährt durch seine schichtungen ein großartiges raumerlebnis, während das obergeschoss durch seine ruhige gliederung den anforderungen des individuellen rückzugs- und ruhebereichs gerecht wird.

vorgeschaltetes bebauungsplanverfahren

zwei jahre vorlaufzeit waren vonnöten, ehe mit dem bau der 4 stadtvillen begonnen werden konnte. das grundstück war vorher mit einer villa besetzt und sollte einer baulichen nachverdichtung zugeführt werden. zur absicherung einer abgestimmten städtebaulichen neuordnung war daher ein bebauungsplanverfahren für den gesamten baublock erforderlich.

die neue bebauungsstruktur orientiert sich zum einen an der besonderen topographischen situation (hangabbruchkante) mit den sich daraus ableitenden anforderungen an die besonnung und orientierung der baukörper; zum anderen an der vorhandenen umgebungsbebauung mit seinen weitgehend freistehenden einzelbaukörpern. diese struktur wurde aufgenommen und in maßvoller verdichtung weiterentwickelt. die städtebaulich vorgesehene senkrechte kammartige aufstellung der baukörper zum hang erhält genügend freiraum zwischen den gebäuden und sichert gute belichtungs- und aussichtssituationen für die dahinter liegende bebauung.
abweichend von den vorherrschenden satteldachhäusern der umgebung konnten für das neu entstehende quartier begrünte flachdächer durchgesetzt werden. diese dachform unterstützt die angestrebten ökologischen und energetischen vorzüge einer kompakten bauweise durch eine effiziente ausnutzung des obergeschosses und begrenzt wirkungsvoll die höhenentwicklung im plangebiet.

>>>fotos: jürgen pollack

auszeichnung 2017

bauteam projekt
acht häuser in schönaich

ausgezeichnet als "beispielhaftes bauen"
durch die architektenkammer

begründung der jury

auf einem topographisch schwierigen grundstück wurde ein beispielhaftes projekt für verdichteten einfamilienhausbau realisiert. die winkelhäuser und die voneinander abgelösten einfamilienhäuser bieten auf kleinem grundstück sehr viel privaten freiraum. dies wurde mit geschickt organisierten grundrissen und einer intelligenten grundstücksaufteilung erreicht. die geringen hauskosten sprechen zudem für die haustypologie, die man sich öfter wünschen würde.


objektbeschreibung

gesamtkosten haus mit grundstück:
einfamilienhäuser 459.000 € bis 498.000 € (differenz durch unterschiedliche grundstücksgrößen)
l-häuser 369.000 € bis 395.000 €

das nördliche tor zu schönaich, zu erreichen über den kreisverkehr der panzerstraße (k 1057), war noch nicht komplett. die unbebaute fläche „im vogelsang“ war bisher nichts weiter als ein grüner, aber voll erschlossener hügel. das wollten wir ändern. der sogenannte „bauhaus-stil“ entstand schon zu beginn des letzten jahrhunderts, entspricht aber heute mehr denn je der vorstellung von modernem und zeitlosem bauen. für die fläche „im vogelsang“ war diese städtebaulich anspruchsvolle bauweise im bereits geänderten bebauungsplan vorgesehen und ist zu einem „hingucker“ am schönaicher nord-tor geworden. die sehr verkehrgünstige lage mit direkter verbindung zur autobahn 81, aber auch mit guter überlandstrecke zum flughafen echterdingen ist für mobile menschen von großem vorteil.

besonders attraktiv sind „im vogelsang“ die großzügigen gärten in südlage, die durch die neue bebauung vor lärmemissionen des straßenverkehrs geschützt werden und in südlicher richtung durch die bereits bestehende bebauung mit viel abstand eine ruhige abgrenzung finden. die freie landschaft von der aussichtsplattform am rauhen kapf bis hin zu feld und wald, sind von „im vogelsang“ aus direkt fußläufig erreichbar.

die beste aller möglichen orientierungen bietet die hausgruppe am nördlichen tor zu schönaich. die geschlossene bebauung im untergeschoss löst sich ab dem erdgeschoss in einzelhäuser auf. durch die geschickte staffelung wird die begehrte mittags- und abendsonne eingefangen. die privaten freibereiche sind weitgehend gegen einblicke geschützt. sie gehen in den garten über, der nach süden ausläuft. über den dort verlaufenden fußweg sind die gärten rückwärtig zu erreichen. zur straße am vogelsang wurde mit raffinierten architektonischen mitteln eine wirksame abschottung erreicht.
der garten beginnt im ersten stock. man fühlt sich abgehoben vom lärmenden treiben des alltags. bei den drei winkelhäusern (l-häuser) nahe des kreisverkehrs wurde dieses prinzip in verdichteter form wieder aufgegriffen. mit dem konzept der häuserreihung mit größtmöglicher individueller privatheit ist ein entwurf gelungen, der die perfekte antwort auf den problematischen standort hat.

neben dem hauseingang mit garderobe gibt es die möglichkeit für ein gäste- oder arbeitszimmer. über den abstellraum ist die garage direkt mit dem wohnhaus verbunden. die offen gestaltete ebene im erdgeschoss erfüllt jeden wohnkomfort. ein gedeckter freisitz vor der küche oder der intime terrassenbereich erweitern den innenraum höchst attraktiv nach außen. die verbindung über die einläufige treppe in den oberen teil der wohnung schafft noch mehr großzügigkeit. das schlafzimmer der eltern und die kinderzimmer bieten viel platz als individuelle rückzugsbereiche.

ein besonderes wohngefühl vermitteln die gestaffelt angeordneten winkelhäuser. zum einen umschließende geborgenheit nach nordosten und gleichzeitig die weite zum garten nach südwesten. auch dieser haustyp bietet auf kleiner grundfläche ein großzügiges raumangebot und gut geschnittene grundrisse. an den offenen wohn-/ess- und küchenbereich schließt sich eine terrasse an. der schönste platz, um die abendsonne zu genießen. die zimmer im obergeschoss sind nicht nur zum schlafen geschaffen. eltern und kinder haben ausreichend platz, ihren rückzugsraum anders zu nutzen.

fotos
jürgen pollack / photographie & film | luftbild: archiplan architekten gmbh

auszeichnung 2017

asylbewerberheim in schönaich

ausgezeichnet als "beispielhaftes bauen"
durch die architektenkammer

begründung der jury

container mit verwahrcharakter oder massivbau mit wohnqualität? die antwort liefert diese flüchtlingsunterkunft. der mit holz verkleidete baukörper folgt einem strengen raster, ohne dabei monoton zu wirken. der eingangsbereich mit der offenen treppe ist klar definiert und großzügig dimensioniert. die zimmer weisen eine für den bautyp hohe wohnqualität auf, die bewohnerinnen und bewohner zu schätzen wissen. das zeigt sich im fehlen von sachbeschädigungen und vandalismus. das gebäude ist vorausschauend angelegt: das raster innen lässt sich jederzeit für andere nutzungen verändern; die technischen voraussetzungen dafür sind bereits geschaffen. mit einem blockheizkraftwerk samt kontrollierter be- und entlüftung ist es zudem energetisch auf der höhe der zeit und sorgt damit für einen wohnkomfort, wie ihn andere unterkünfte für flüchtlinge kaum vorzuweisen haben.

objektbeschreibung

nachhaltiges gebäude in holzbauweise mit bhkw und zentraler be- und entlüftungsanlage
baustart: februar 2015
unterbrechung: april 2015 aufgrund der neuen förderungsvorgaben
bauweise: nicht unterkellert, gründung aus stahlbeton, holzrahmenbauweise, nicht begrüntes flachdach, holzlamellenfassade aus douglasie und trespasockelbekleidung, akzente mit farbiger fassadenbahn. eingangsbereich als offenes treppenhaus - treffpunkt und verteiler

nach mehrjähriger standortsuche der gemeinde, wurde archiplan im jahr 2013 mit den voruntersuchungen an diesem standort beauftragt. die fragestellungen waren neben dem optimalen architektonischen entwurf vor allem: „bauen wir mit einer containerlösung oder erstellen wir einen massivbau?“ und: „geht man in richtung generalunternehmer oder eher in einzelausschreibung?“ ganz klarer sieger war die klassische bauweise mit ausschreibung der einzelgewerke und die mögliche vergabe an die lokalen handwerksbetriebe.

die konkrete planung startete dann 2014. anfang 2015, als das projekt baugesuchsreif war, gab es ein erstes förderprogramm des landes aufgrund der akut angestiegenen flüchtlingszahlen. durch schnelles handeln der gemeinde wurde die anteilige förderung des projekts zugesagt. im zuge dessen musste das raumprogramm von 58 auf 46 bewohnerinnen und bewohner umgestellt werden.
die neue auflage des föderprogramms war mindestens 10 quadratmeter wohnfläche pro flüchtling.

trotz des exakt vorgegebenen baufensters, besitzen die räume eine sehr hohe aufenthaltsqualität. der interessante blick auf die großen grünflächen des stadions sowie die nähe zum schönbuch lassen einen vergessen, am rande des gewerbegebietes zu sein.
bei der auswahl aller bauteile lag der schwerpunkt auf einer kostengünstigen lösung, gleichzeitig aber auch auf einer innenräumlichen qualität, die durch farbe und material erreicht wurde. das offene zweigeschossige treppenhaus spielt mit der vertikalen und horizontalen holzverkleidung eine wichtige rolle als verteiler und kommunikationszone.
die extrem hohen anforderungen an brandschutz, schallschutz, barrierefreiheit und energieeffizienz wurden in diesem gebäude optimal umgesetzt und bieten die basis für einen langjährigen und kostengünstigen betrieb. zusätzlich wurde bei der planung viel wert auf flexibilität für eine eventuelle spätere nachnutzung gelegt. mögliche spätere nutzungen: verschiedene büronutzungen, vereinsheim und umkleiden für das stadion, jugendherberge, musik- und kunstschule sowie ein wohnheim für arbeiter auf montage. die flexible nachnutzung ist aufgrund der nicht tragenden innentrennwände sehr gut möglich.

raumaufteilung:
gemeinschaftsunterkunft mit 46 bewohnerplätzen aufgeteilt in doppel- und einzelzimmern (förderungsfähig)
doppelzimmer = ca. 21 m² - einzelzimmer = ca. 10 m²
pro geschoss 2 bäder (m + w), 2 küchen
barrierefreier zugang im erdgeschoss mit barrierefreiem bad mit wc sowie zwei doppelzimmer mit breiterem zugang und ein büro für einen sozialarbeiter

außenanlagen:
8 stellplätze und separate abschließbare fahrrad- und mülleinhausung.

technik:
heizung: bhkw, gasbrennwerttherme und heizungspufferspeicher, wärmeverteilung im bodenaufbau über kompaktheizkörper, energieeffiziente pumpen und energiemonitoring über das bhkw
lüftung: zentrale raumlufttechnische anlage mit wärmerückgewinnung
sanitär: frischwasserstation im durchlaufprinzip und aufbau des versorgungsnetzes aus edelstahl
gebäudeautomation: aufschaltung der rlt- und heizungssteuerung zur weiterleitung auf die gebäudeleittechnik im rathaus

fotos
sabine und georg negler

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